Maria Bitzan, Tilo Klöck (Hg): Politikstragien - Wendungen und Perspektiven


Maria Bitzan, Tilo Klöck (Hg): Politikstragien - Wendungen und Perspektiven

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Abstract
Die Entpolitisierung sozialer Probleme und der Sozialen Arbeit, die wie Sisyphus rastlos versucht, die überwuchernden Probleme kleinzuhalten, wird oft beklagt. Jetzt gilt es, die sozialen Risiken, Probleme und Konflikte aufzuzeigen, sie zum politischen Problem zu machen die Stillhalteabkommen zwischen den Institutionen aufzubrechen - Gegenmacht zur Verbesserung der Lebensverhältnisse kann organisiert werden. Gegen die verbreitete Orientierungs- und Lustlosigkeit wollen die hier versammelten Beiträge eher pragmatisch als in abgehobenen Strategie- und Theoriediskussionen vorgehen; sie stammen von Männern und Frauen aus Wissenschaft und Praxis, der Aus- und Fortbildung.

Vorwort
(...) Die Beiträge sind eine bunte Mischung im Kontinuum vom Praxisbericht und theoretischen Wurf: Jede Sichtweise hat ihre Eigenwilligkeit und ihre eigenen Impulse. Alle aber beziehen sich auf das Thema dieses Jahrbuches: Poltitikstrategien.
(...) Fragen werden uns durch das Buch begleiten, die auch anschließend nicht gelöst sein werden:
- Richtungsweisende Konzepte von Obdachlosenpolitik (Auflösung der Unterkünfte) können nur in Zeiten relativ geringer Wohnungsnot aufrechterhalten werden. Stimmt das, und was machen wir mit den aktuellen puren Überlebensnotwendigkeiten?
- Was heißt heute kritische Sozialpolitik in einer Situation, die gekennzeichnet ist von einem starken Individualisierungstrend und dem Fehlen sozialer emanzipatorischer Bewegungen mit politischer Schubkraft? Woher sollen kollektive Strukturen kommen?
- GWA wird in der Regel öffentlich finanziert bei sehr unterschiedlichen Trägerschaften. Die Auswirkungen hiervon auf Politisierungskonzepte sind nur  ausschnitthaft erörtert.
- Wie sehen derzeitige politisierende Strategien (deren Wirksamkeit bisher noch nicht erwiesen ist) in Großstädten aus? Wie ließe sich die Entwicklung von konfliktorientierten Stadtteilanalysen, das Einklagen von Armutsberichterstattungen und die Suche nach multikulturellen Handlungskonzepten gegen den um sich greifenden Rassismus vorantreiben?
- Bei der konzeptionellen und sozialpolitischen Ausrichtung von sozialer Arbeit wird GWA derzeit nicht diskutiert. Gerade auch bezüglich der Neuordnung sozialer Arbeit in den neuen Bundesländern müßte es darum gehen, GWA zu zeigen, ins Gespräch zu bringen und sie im Feld von Gemeinwesenorientierung, Stadtteilarbeit etc. zu identifizieren. Wenig hilfreich ist dabei ein Literaturstand, der hinter der Praxis zurückliegt.
Das Jahrbuch zielt auf eine Politik des Sozialen in der GWA, mit der die sozialen Risiken, Probleme und Konflikte aufgezeigt und zum politischen Thema gemacht werden, indem sich GWA in etablierte Politik- und Planungsbereiche entschlossener einmischt, die Stillhalteabkommen zwischen den Institutionen und wieder neu zwischen den Geschlechtern aufbricht und die eigene Machtunterworfenheit überwindet, indem sie in konzertierten Aktionen mit BürgerInnen, engagierten Fachkräften und innovationsbereiten Institutionen Gegenmacht zur Verbesserung der Lebensverhältnisse organisiert.

Inhaltsverzeichnis
Editorial
1. Zeit - Geschichte / Oelschlägel, Dieter: Politikverständnis in der Gemeinwesenarbeit im Wandel / Przytulla, Horst: Die Kunst als ausgemachter Verlierer zu gewinnen. Erinnerungen an die Zukunft der Gemeinwesenarbeit / Staub-Bernasconi, Sylvia: Waren die Frauen von Hull-House in Chicago Wirklich Gemeinwesenarbeiterinnen?
2. Standorte und Strategien / Langnickel, Hans; Zwischen Gesellschaftskritik und Pragmatismus. Der Kommunitarismus in einer politischen Theorie der Sozialarbeit / Hinte, Wolfgang: Intermediäre Instanzen in der Gemeinwesenarbeit - die mit den Wölfen tanzen / Heiner, Maja: Aufbau und Nutzung politischer Netzwerke in der Gemeinwesenarbeit / Bitzan, Maria: Das weibliche Gemeinwesen - verdeckte Provinz der GWA - oder: wie kommt der Küchentisch auf die Straße? / Klöck, Tilo: "Empowerment" in der Balance von Interessenorganisation und stellvertretender Einmischung als kombinierbare Prozesse der Machtbildung
3. Stadt und Land / Krummacher, Michael: Soziale Probleme in Großstadtregionen und Großstadtpolitik als Rahmenbedingungen von Einmischungsstrategien / Krahulec, Peter, Rüschendorf, Roswitha: Land in Sicht! Ein neues Kapitel der Gemeinwesenarbeit / Rüschendorf, Roswitha: Dorferneuerung in Hessen - ein neues Handlungsfeld der Gemeinwesenarbeit / Krahulec, Peter: Psychotope, runde Kneipentische und Querschnittsaufgaben - warum ich vom "Lernort Dorf" so begeistert bin
4. Lokale Entwicklungen und Erfahrungen / Angele, Gebhard: Politische Aktivierung von BewohnerInnen in Notunterkünften Erfahrungen, Erfolge und Probleme im Rahmen der Gemeinwesenarbeit / Dehm, Karl: Vernetzung: Zauberwort oder politischer Lösungsweg? Zum Verhältnis von Sozialarbeit und Stadtteilinitiativen im Stuttgarter Hallschlag / Koch, Michael: Standortbestimmung und Perspektiven in der GWA nach zwanzig Jahren Stadtteilarbeit im Offenbacher Brennpunkt Lohwald / Karsdorf, Sigrid; Lehnich, Stefanie: Projekt "Gesundheits- und Bürgerzentrum Halle-Trotha" der "Bürgerinitiative Gesundes Trotha e.V." / Baumgartner, Traudl: Regionalisierung und Dezentralisierung sozialer Dienste in München - ein Modellprojekt mit einer Dokumentation der Konzeption und des Stadtratbeschlusses von 1992 / Stadtteilbüro Malstatt: Von der Not im Wohlstand arm zu sein. Ergebnisse einer Lebensweltstudie
5. Grenzüberschreitungen / Seibert, Ulrich: Politisches Selbstverständnis zwischen Gemeindepsychiatrie und Gemeinwesenarbeit / Radice von Wogau, Janine: Der Netzwerkansatz - ein über die Familie hinausgehendes soziales Netz mobilisieren / Heiner, Maja: Training in Community Organizing / Schneider, Monika: Let's Organize - Interview mit Ed Shurner und Don Elmer

HerausgeberInnen
Maria Bitzan, Dr., langjährige Mitarbeiterin in einem Soziokulturprojekt, 10 Jahre Mitarbeit im Frauencafe, wissenschaftliche Begleitung von Erprobungsprojekten des Landeswohlfahrtsverbandes Württemberg-Hohenzollern in der gemeinwesenorientierten Jugendhilfe, ist Assistentin am Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung für Sozialpädagogik der Universität Tübingen.
Tilo Klöck, Dr., ehemaliger Mitarbeiter eines soziokulturellen Projekts, wissenschaftliche Begleitung von gemeinwesenorientierten Erprobungsprojekten in der Jugendhilfe des Landeswohlfahrtsverbandes Württemberg-Hohenzollern, ist Dozent im Burckhardthaus, Evangelisches Fortbildungsinstitut für Jugend- und Sozialarbeit in Gelnhausen

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