Paulo Freire Gesellschaft: Mit Phantasie und Spass


Paulo Freire Gesellschaft: Mit Phantasie und Spass

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Abstract
Der Brasilianer Paulo Freire entwickelte ausgehend von seiner erzieherischen Praxis das Konzept der "befreienden Pädagogik". Sein Anliegen ist kein geringes: Erziehung und Bildung sollen einen Beitrag zur Vermenschlichung der Welt leisten. Aus diesem Anspruch ergeben sich weitgehende Konsequenzen für die pädagogische Konzeption und Praxis. Um einen in diesem Sinne umfassenden Lernvorgang in Gang zu setzen, sind motivierende, aktivierende und partizipative Techniken erforderlich, die
- ein gemeinsames Diskutieren und Reflektieren erlauben
- die Sozialisierung individuellen Wissens ermöglichen und dieses wiederum bereichern
- eine gemeinsame Lernerfahrung herstellen und
- ein wirklich gemeinsames Schaffen von Wissen ermöglichen.
Der Band befasst sich ausführlich mit im Kontext der "befreienden Pädagogik" geeigneten Techniken für die Arbeit mit Gruppen. Es ist eine Zusammenstellung, die auf der Praxis vieler verschiedener Personen und Zentren beruht.

Vorwort
Seit langem werden in der lateinamerikanischen Volkserziehung (educacion popular) motivierende und partizipative Techniken angewandt; ihr Einsatz unterscheidet sich im einzelnen jedoch sehr.
1. Am meisten verbreitet sind Techniken, die man "gruppendynamisch" nennen könnte: Mit ihnen sollen Gruppen lediglich zusammengeführt werden. So entstehen viele Spiele, mit denen - meist in kleineren Gruppen -persönliche Unsicherheit abgebaut und eine Identifikation mit der Gruppe erreicht werden soll.
2. Eine andere Art der Anwendung lässt sich in der Arbeit mit Basisgruppen erkennen: Hier dienen die Techniken dazu, die Bearbeitung eines Themas zu vereinfachen und unterhaltsamer zu gestalten. Eine Vertiefung erfolgt nicht, vielmehr wird der Austausch in der Gruppe gefördert.
3. Eine dritte Richtung beschränkt sich auf die Anwendung partizipativer und aktivierender Lerntechniken; die Koordinatoren verwandeln sich in die reinsten DynamikerInnen, ohne der Veränderungsperspektive des Erziehungsprozesses Rechnung zu tragen.
Wir dagegen sind überzeugt davon, dass die Techniken nur Instrumente im Bildungsprozess sein können, denn über Erziehung zu reden, heißt über Erkenntniserwerb zu sprechen. Der Prozess, in dem Kenntnisse entstehen, setzt eine methodologische Konzeption voraus, die ihn ermöglicht. Die methodologische Konzeption, die dem Bildungsprozess zugrunde liegt, ist unserer Meinung nach das Wesentliche der Volkserziehung, nicht die Anwendung bestimmter Techniken. Denn auch die Anwendung partizipativer Techniken hebt eine traditionelle Bildungskonzeption nicht auf, in der es in erster Linie um das Erlernen von Begriffen, anstatt um die Fähigkeit zur ständigen Neuerkenntnis und Weiterentwicklung geht. Ausgehend von der dialektischen Erkenntnistheorie und unseren eigenen Erfahrungen sind wir zu der Überzeugung gelangt, daß die Volkserziehung einer dialektischen Methodologie bedarf.
Das bedeutet:
a) immer von der Praxis auszugehen; also von dem, was die Leute wissen, [eben, fühlen; ihren Lebenssituationen und -problemen: letztlich also von ihren Themen
b) Theoriebildung zu betreiben-, d.h. diese Praxis in einem systematischen, geordneten Prozess zu reflektieren, die theoretischen Elemente zu entdecken und im Tempo der Gruppe zu vertiefen. Alltags- und Teilwissen erweitert sich so zu sozialem, geschichtlichem und strukturellem Verständnis
c) zurückkehren zur Praxis; d.h. der durchlaufene Abstraktionsprozess muss es uns ermöglichen, mit neuem Verständnis und neuen Kriterien zur Praxis zurückzukehren, um diese zu verändern und zu verbessern, Theorie dient hier als Orientierung für ein veränderndes Handeln.
Um einen solchen umfassenden Lernvorgang in Gang zu setzen, sind unserer Meinung nach motivierende, aktivierende und partizipative Techniken erforderlich, die
- ein gemeinsames Diskutieren und Reflektieren erlauben
- die "Sozialisierung" individuellen Wissens ermöglichen und dieses wiederum bereichern
- eine gemeinsame Lernerfahrung herstellen lassen
- ein wirklich gemeinsames Schaffen von Wissen möglich machen.
In diesem Sinne sind die Techniken nichts anderes als Werkzeuge für den Bildungsprozess. Um als solche brauchbar zu sein, müssen sie den TeilnehmerInnen, dem Thema und dem Ziel angepasst sein; wir müssen wissen, warum, wozu und wie sie eingesetzt werden:
a.) Die Techniken müssen immer in Funktion der genauen Ziele angewendet werden.
b.) lst die Technik ausgewählt, erfolgt die detaillierte Planung des Vorgehens, das abhängt von der verfügbaren Zeit und der Zahl der Teilnehmerinnen. Dabei ist wichtig, den Techniken mit Phantasie und Kreativität zu begegnen, sie abzuändern, anzupassen oder neue zu erfinden; je nach Situation und Gruppe.
Die Techniken müssen für alle Beteiligten verfügbar gemacht worden, damit sie von ihnen wiederum kreativ eingesetzt werden können.
(Auszüge aus dem lateinamerikanischen Original - T.S.)

<strong>Inhaltsverzeichnis</strong>  
1. Vorstellungs- und Animationsspiele
2. Allgemeine analytische Übungen
3. Techniken zur Analyse von Strukturen

Herausgeber/ AutorInnen
Paulo Freire Gesellschaft e.V, München
Trudi Schulze-Vogel, geboren 1945. Lehre als Verlagskauffrau, Studium der Sozialpädagogik in München. Von 1972-1975 "Entwicklungsarbeit" in Peru (ländliche Erwachsenenbildung). Langjährige Tätigkeit im Sozialpolitischen Verlag der AG SPAK (Lektorat, Geschäftsführung), Lehraufträge zu Fragen der Erwachsenenbildung (Methodenfragen), z.B. GHS Kassel, langjährige außerschulische Bildungsarbeit zu Nord-Süd-Fragen und Solidaritätsarbeit zu Lateinamerika. Mitarbeit an Publikationen über kulturelle, soziale und pädagogische Themen Lateinamerikas. Derzeit Geschäftsführerin des Nord-Süd-Forum München e.V.
Heinz Schulze, geh. 1943. Lehre als Rechtsanwalts- und Notarsgehilfe, Sanitätsdienst, Studium der Sozialpädagogik. Tätigkeit in der außerschulischen Jugendarbeit, der Gemeinwesenarbeit in der Obdachlosenarbeit in München. Von 1972-1975 im Rahmen der "Entwicklungshilfe" in der ländlichen Bildungsarbeit in Peru tätig. Langjährige Mitarbeit (Geschäftsführung, Bildungsreferent) in der Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Arbeitskreise, München. Beratung von Bürgerinitiativen, Seminararbeit, Lehraufträge (Methoden der Bildungsarbeit), Aufsätze und Publikationen (z.B. Sozialarbeit in Lateinamerika, befreiende Pädagogik). Solidaritätsarbeit spez. zu Peru, derzeit ehrenamtliche Geschäftsführung der Paulo Freire Gesellschaft und Tätigkeit in der Arbeitsstelle "Pädagogik der Hoffnung" (München).

 

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